2018 10 12 Awasa Wanderung12.10.2018 | Unter dem Motto „Schulgeldpatenschaften für Awasa“ brachen die Schülerinnen und Schüler der Abt-Bessel-Realschule mit ihren Lehrerinnen und Lehrern am Freitagmorgen wieder zur diesjährigen Schulaktion „Wandern für Awasa“ auf.

Dieser besondere Wandertag hat seit 1986 in den Anfangswochen eines neuen Schuljahrs seinen festen Platz im Jahreskalender der Realschule.

Er wird jeweils in Form eines Solidaritätsmarsches durchgeführt. Das bedeutet: Die Schülerinnen und Schüler legen eine längere Fußstrecke zurück und suchen sich dann im Verwandtenkreis Sponsoren, die die gewanderte Strecke mit einem Geldbetrag honorieren.

Heute kann die Abt-Bessel-Realschule insgesamt auf ein 37 Jahre währendes Engagement zugunsten der vielen Armen in der Diözese zurückblicken. Die Stetigkeit der schulischen Hilfsanstrengungen haben sich gelohnt. Das zeigt der hohe Geldbetrag in Höhe von 195 410 Euro, der in dieser Zeitspanne nach Awasa geflossen ist. Nach Abschluss der diesjährigen Schulaktion könnte die Realschule sogar die 200 000 Euro-Marke überspringen.

Unter dem Leitgedanken „Schüler helfen Schülern“ wurden die Hilfsgelder vorwiegend auf dem Bildungssektor der Diözese eingesetzt, beispielsweise für den Bau von Vorschulen und Schulen, für die Aufstockung von 4-klassigen Grundschulen auf 8-klassige Primarschulen, für Schulgeldpatenschaften, für Frauenbildung…

Dies ist der festen Überzeugung geschuldet, dass in einer guten Schul- und Berufsausbildung der jungen Menschen der Schlüssel zur Entwicklung des Landes und zum Gemeinwohl der Menschen in den Gemeinden liegt. Eine gute Bildung ist weit mehr als reine Wissensvermittlung. Sie bietet eine gute Gewähr dafür, dass Jugendliche später einen Job bekommen und sie dadurch eine Lebensperspektive im eigenen Land finden können.

Während in den letzten Jahren die erwanderten Geldmittel in der Diözese Awasa zum Bau von neuen Schulen verwendet wurden, so zuletzt für den Neubau der Schulen in Gaddu, Daye,Negheli und Laku, kommt es nun darauf an, den Betrieb dieser Schulen am Laufen zu halten.

Die Diözese Awasa unterhält gegenwärtig 56 Schulen (19 Vorschulkindergärten eingeschlossen), die von mehr als 20 000 Schülerinnen und Schülern besucht und von 549 Lehrern bzw. Lehrerinnen unterrichtet werden, wobei ca. 200 Lehrer vom äthiopischen Staat entlohnt werden.

Die Besoldung der Lehrer und der Unterhalt der schulischen Einrichtungen überforderten den Schuletat der Diözese, der sich überwiegend aus Spenden rekrutiert. Verschlimmernd kommt hinzu, dass viele Familien, besonders solche mit mehreren Kindern, das jährliche Schulgeld in Höhe von 6,50 Euro pro Kind aus Armutsgründen nicht bezahlen können. Das hat zur Folge, dass viele Schüler/innen die Schule abbrechen müssen und zuhause bleiben. Wegen dem hohen Stellenwert, den auch die Leitung der Diözese der Schulbildung beimisst, versucht sie den Schulabbrüchen entgegenzusteuern. So hat sie im letzten Jahr den Unterricht von 1 990 Schülern gesponsert. Dadurch ist die Finanzierungslücke noch weiter angewachsen.

Mit der Bitte, das diözesane Bildungsprogramm zu unterstützen berichtete der zuständige Direktor für das Bildungswesen, Matewos Dangiso, über die Schwierigkeiten der örtlichen Gemeinden und Familien, den jährlich erwarteten Beitrag zum Schuletat leisten zu können. Er schrieb: (Übersetzung)

Mit dem Ziel, den ärmsten Gemeinden eine Grundbildung der Kinder anbieten zu können, mussten die meisten erzieherischen und sozialen Einrichtungen der Diözese in ländlichen, abgelegenen Regionen gegründet werden. Dort stehen die schulischen Einrichtungen allen Kindern und Jugendlichen offen ohne Ansehen des Stammes, des Geschlechts und der Religion.

Die ländlichen Gemeinden haben kein regelmäßiges Einkommen, das sie für die Bildung ihrer Kinder überweisen könnten. Oftmals bringen sie nur einen kleinen Geldbetrag und manchmal – jahreszeitlich bedingt – auch etwas von der Ernte. Trotz der traditionellen Landwirtschaft, wobei sie die traditionellen Geräte einsetzen, hat die wiederkehrende Dürre die Erträge der Ernte stark gemindert. So kämpfen die meisten Familien Jahr für Jahr gegen ihre wirtschaftlichen Probleme an, die sie aber finanziell überfordern. Das hat zur Folge, dass die Mehrheit dieser armen Familien nicht in der Lage ist, den geringen jährlichen Mindestbeitrag von 6,50 Euro pro Kind zu bezahlen. Das durchschnittliche jährliche Schuleinkommen fällt dadurch unter den erwarteten Beitrag, der es dann sehr schwierig macht, die administrativen Schulkosten zu decken.

Neben der jahrelangen Dürre werden die Gemeinden im Tiefland (Oramia-Region, Sidamo und Borana-Zone) oft sehr heftig von den Wetterphänomenen El Nino und La Lino getroffen, was zu einer Art Schockzustand führte, als die Menschen sahen, wie ihre Vermögenswerte vernichtet wurden. Die lebensbedrohende Situation der Menschen führte oft zur Vertreibung und zur Migration der Menschen aus den Gemeinden. Die Gemeindeglieder, die blieben, sind in solchen Fällen selbst auf wiedergutmachende Hilfe für ihrem Lebensunterhalt durch die Regierung oder andere caritative Organisationen angewiesen und unterlassen in diesem Fall den Beitrag zur Schulbildung ihrer Kinder ganz.

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