2019 03 28 Schulfilm28.03.2019 | Die Initiative „Herz statt Hetze“ stellte an drei Terminen den Film „Meine Familie, die Nazis und ich“ vor und stieß dabei auf reges Interesse der Schüler in den verschiedenen Schulen. Geleitet wurde die anschließende Frage- und Diskussionsrund von Katrin Himmler, die die vielen Fragen der Schüler mit ihrem großen Wissen beantworten konnte.

 

Der rund 75-minütige Dokumentarfilm von dem israelischen Regisseur Chanoch Ze’evi setzt sich mit verschiedenen Nachkommen von großen Nazi-Verbrechern und deren Last auseinander. Dabei werden die Gefühle der Nachfahren, ihre Probleme, Konflikte, Schmerzen und Ängste ungefiltert eingefangen und widergegeben. Interviewt wurde neben Bettina Göring, deren Großonkel Hermann Göring war, Verantwortlicher für die Gründung der Gestapo sowie die Einrichtung der ersten Konzentrationslager, auch Katrin Himmler, die Großnichte von Heinrich Himmler, der nach Hitler die zweitgrößte Machtposition im nationalsozialistischen Regime innehatte. Weitere Interviewte waren  Rainer Höß, Monika Göth und Niklas Frank, der vor allem mit seinem Vater Hans Frank, dem „Schlächter von Polen“, schwer ins Gericht geht.

Alle fünf Nachfahren haben sich auf unterschiedliche Art und Weise mit ihrer Familiengeschichte, aber auch den dunklen Jahren der deutschen Geschichte auseinandergesetzt. Dennoch geht jeder anders mit dem Familienerbe um: So entschied sich beispielsweise Bettina Göring in die USA zu ziehen und sich sterilisieren zu lassen, um alles weit hinter sich zu lassen und der Familienlinie ein Ende zu setzten, während für Katrin Himmler die rechtsextreme Verwandtschaft zwar eine Belastung war, sie aber gelernt habe, damit umzugehen. „Mir ist es wichtig darüber zu sprechen“, so Heinrich Himmlers Großnichte, „da viele immer noch nicht darüber sprechen und weitaus mehr Familien als nur die bekannten Namen an dem Holocaust und den Verbrechen der Nazis beteiligt waren.“ In ihrer eigenen Familie sei sie aufgrund ihrer Recherchen auf Ablehnung gestoßen, was sie zwar schmerzhaft empfände, jedoch nicht davon abhalte, sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen. „Erschüttert hat mich, dass es in meiner Familie damals niemanden gab, der nicht ein Nazi war, doch konnten sich alle hinter dem großen Schatten, den Heinrich warf, verstecken“, berichtete die Buchautorin Himmler.

Soweit sich Rainer Höß und Niklas Frank zurück erinnern können, fehlte in ihrer Kindheit jegliche Art von Wärme und Zuneigung, da der Gehorsam an erster Stelle stand. Katrin Himmler meinte dazu: „Der Balanceakt ist schwer. Es stellt sich die Frage, wann es unmöglich ist, die Eltern zu lieben. Viele brechen vollständig mit ihrer Familie, andere entscheiden sich für bedingungslose Loyalität und blenden alles Übel aus.“ Es gäbe zudem Grenzen, wenn man über Vergangenes mit den Eltern oder Überlebenden des Holocaust sprechen wolle: „Manches ist zu schmerzhaft, als dass man darüber ohne weiteres sprechen kann“, so Himmler. Und dennoch lebt die Geschichte weiter und wirkt sich bis heute aus. Eldad Beck, dessen Familie zum Großteil in Ausschwitz ums Leben kann, drückt dies so aus: „Nicht jede Geschichte hat ein Happy End und einige enden sogar nie.“ Vollständig damit abschließen könne man damit nie.

Dennoch sei die Auseinandersetzung mit dem Geschehenen wichtig, meinte Himmler: „Als Nachfahrin eines NS-Verbrechers trage ich keine Schuld, auch wenn ich mich früher schuldig fühlte, aber ich fühle mich verantwortlich.“ Deshalb besuche sie solche Veranstaltungen, um mit anderen ins Gespräch zu kommen, auch wenn es nicht ihr kompletter Lebensinhalt sei.

In der angeregten Fragerunde antwortete Himmler auf die Frage, was sie gerne ihrem Großonkel sagen würde, damit: „Ich weiß, er wäre nicht offen für andere Meinungen oder irgendeine Form der Kritik gewesen, da er in seiner Überzeugung so sicher war, dass niemand und nichts dies ins Wanken hätte bringen können.“ Heinrich Himmler sei damit auch nicht alleine gewesen, denn während ihrer Recherchen sei eine zentrale Erkenntnis gewesen, dass alle Täter ein solides Netzwerk oder eine Familie, die hinter diesen Menschen stand, gebraucht haben. Geplant habe sie nie, sich so intensiv mit der eigenen Familiengeschichte auseinanderzusetzen. „Der Auslöser war mein Vater, der mich bat, im Bundesarchiv nachzuschauen, ob mein Großvater Mitglied der NSDAP war. Er wollte nur die Bestätigung seiner Vermutung, doch für mich war das der Anfang“, erzählte Katrin Himmler.

Am meisten habe sie in den vergangen Fragerunden, die jeweils auf ihre eigene Art wertvoll und spannend gewesen seien, die Frage eines Schülers vom Burghard-Gymnasiums. „Er fragte mich, was für mich Glück sei und das war etwas, mit dem ich gar nicht gerechnet hatte, weshalb es mich umso mehr beeindruckte und freute“, berichtete Katrin Himmler freudestrahlend. Insgesamt sei die Vielfalt der Fragen groß gewesen, auch wenn sich natürlich einige wiederholten, so Alexander Weinlein von der Initiative „Herz statt Hetze“, die sich für Toleranz, Freiheit und Demokratie einsetzt. „Es war beeindruckend, wie aufmerksam, diszipliniert und interessiert die Schüler vom BGB, der HWS sowie der ABR und KTS waren. Jede Fragerunde hatte ihre ganz eigene Qualität“, so Weinlein.

 

Info: Interessierte können sich den Film auf YouTube anschauen. Die beiden Bücher „Die Brüder Himmler. Eine deutsche Familiengeschichte“ und „Himmler privat – Briefe eines Massenmörders“ von Katrin Himmler sind im Handel erhältlich.

Text und Bild: Anthea Fischer

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