23.11.2022 | „Er atmet nicht mehr“, „Zurücktreten! Schock!“, „Frequenz erhöhen“ - wer Ende September am Anbau der Karl-Trunzer-Gemeinschaftsschule vorbei lief, dachte wahrscheinlich, er sei im Krankenhaus.

26 Schülerinnen und Schüler des Schulzentrums Buchen - teils von der ABR und teils von der KTS - ließen sich in Kleingruppen von Lehrer Alexander Steuerwald für die Reanimation mit einem AED ausbilden und nahmen somit an der „Woche der Wiederbelebung“ teil, die deutschlandweit begangen wurde und deren Ziel es ist, die Kenntnisse bezüglich Reanimationsmaßnahmen zu verbessern und die Bereitschaft der Bevölkerung zu erhöhen, im Notfall einzugreifen. Am Ende waren alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer unisono der Meinung: „Dieser Kurs war zwar stressig und anstrengend, aber richtig gut und richtig wichtig.“

„Es ist mir ein großes Anliegen, die Reanimation ins Bewusstsein vieler Menschen zu rücken und gerade Jugendliche für die lebenswichtige Bedeutung dieses Wissens zu sensibilisieren“, erklärte Steuerwald, der diese Schulung an der KTS bereits seit mehreren Jahren leitet und bezüglich Erster Hilfe „voll der Fachmann ist“, wie ein Schüler bemerkte. Und tatsächlich - bei allen Jugendlichen war am Ende der Ausbildung der Ablauf vom Auffinden der Person bis zur Übergabe an den Notarzt in Fleisch und Blut übergegangen.

Ansprechen, rütteln, Kopf überstrecken, Atmung kontrollieren, stabile Seitenlage, parallel noch schnell die 112 wählen und einen richtigen Notruf absetzen - in Windeseile hatten Yagmur, Milla, Antonia und Mazhar das Nötigste getan, um der aufgefunden Person eine Rettung zu ermöglichen. Zufrieden „übergaben“ die „Halb-Profis“ sie den heran eilenden Sanitätern.

Bei Anna, Elisa, Adrian und Julius sah die Sache anders aus. Sie mussten feststellen, dass ihre „Opfer-Puppe“ nicht mehr atmete und entschlossen sich daher zur manuellen Herz-Lungen-Wiederbelebung mit Herzdruckmassage: Entkleiden, Druckpunkt finden, auf Drucktiefe und Rhythmus konzentrieren und los. Während sich zwei Ersthelfer dieser Aufgabe widmeten, holte einer den AED und der Vierte setzte den Notruf ab... und wunderte sich, dass nach zahlreichen Trainings am Ende bei der Rettungsleitstelle Mosbach tatsächlich „eine echte Person“ am Apparat war.

„Echte Situationen lösen viel mehr Stress aus als fiktive, und das müssen die Jugendlichen verstehen“, freute sich Steuerwald über die gelungene Überraschung, die natürlich im Vorfeld abgesprochen war. Genau wie vorher geübt, brauchte der Disponent zahlreiche Informationen und gab immer wieder Anweisungen, wie jetzt weiter zu verfahren war. „Ich war so nervös“, gab Anna nach dem „echten“ Telefonat zu, „mir war ganz heiß; aber ich wusste, dass ich jetzt gut reagieren muss.“ Gut reagieren - davor hat auch Celine Respekt: „Hoffentlich weiß man alle Abläufe, wenn‘s ernst wird.“

Ohne den nötigen Spaß ganz aus den Augen zu verlieren, war in diesem Raum ein hohes Maß an Ernsthaftigkeit zu spüren. Wenn plötzlich fetziger Beat aufgedreht wurde, war das kein Zeichen für Jux und Dollerei, sondern in diesem Lied findet sich der richtige Rhythmus für die Geschwindigkeit der Herzdruckmassage. Schnell wanden sich die motivierten Jugendlichen ihrem „Opfer“ zu und drückten und zählten. „...29, 30 und zwei Mal beatmen... und 1 und 2...“. Die eine oder andere Schweißperle und rote Gesichter wiesen eindeutig darauf hin, dass eine Reanimation kein Kinderspiel ist. „Es war sehr anstrengend und geht echt in die Arme“, bestätigte auch Diana, die sich nach der gelungenen Rettung erst einmal lockerte.

Auch wenn es heißt, ab etwa elf bis zwölf Jahren sei man in der Lage eine Reanimation an Erwachsenen durchzuführen, so ist es doch ein großer Vorteil, wenn man einen AED greifbar hat... und diesen auch bedienen kann. Der automatisierte externe Defibrillator ist zunehmend an öffentlichen Plätzen und Gebäuden vorzufinden, „und auch wenn ich hoffe, dass ihr das alles nie brauchen werdet, so seid ihr aber jetzt - wenn der Notfall eintritt - einsatzfähig“, bescheinigte Steuerwald den Jugendlichen am Ende des Kurses.

So sind nun 26 weitere Jugendliche aus dem Schulzentrum Buchen gut gerüstet und wissen im Notfall nicht nur, WAS sie tun müssen, sondern auch WARUM. „Wenn sie verstehen, warum der Kopf überstreckt sein muss oder welche eigene Körperhaltung warum die sinnvollste ist, bleibt das besser im Gedächtnis haften“, ist sich Steuerwald sicher und sparte bei der Ausbildung nicht mit Hintergrundinformationen. Begeistert von der Ernsthaftigkeit und dem Einsatz aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer überlegt er nun, einen Schulsanitätsdienst ins Leben zu rufen und würde sich freuen, einige der Mädchen und Jungs hier begrüßen zu dürfen. Die sind nun stolze Besitzer einer Urkunde und haben eindeutig ein Bewusstsein für die Reanimation aufgebaut. Wie meinte ein Mädchen beim Hinausgehen so treffend: „Wenn ich echt mal ein Menschenleben retten kann - das wäre ja krass!“

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